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Weserspucker · Wochenblatt für den Mühlenkreis Nummer 15 · 11. April 2018 Neue Zimmerdecke in nur 1 Tag! Ohne ausräumen und Beleuchtung nach Wunsch Besuchen Sie unsere Ausstellung: Di. 14–18Uhr & Do. 9–12 Uhr Zimmerdecken • Beleuchtung • Zierleisten Zimmerdecken • Beleuchtung • Zierleisten PLAMECO Fachbetrieb Birkemeyer, Portastraße 63 32457 Porta Westfalica - oder rufen Sie an: 05 71 / 97 20 97 60 STIHL Test-Tag am 14. April: Testen Sie jetzt die volle Akku-Power. ab 249 €* HSA 56 STIHL Test-Tag: Samstag, 14. April von 9 bis 16 Uhr. Sie suchen noch das passende Gerät für Ihre Gartenarbeit? Testen Sie jetzt zum Beispiel die Akku-Heckenschere HSA 56, Testsieger der Stiftung Warentest, sowie weitere STIHL und VIKING Geräte mit Akku-, Benzin- oder Elektro-Antrieb. Was auch immer Sie im Garten vorhaben: Wir haben, was Sie brauchen. Und dazu jede Menge attraktive Aktions-Angebote. Anmeldung bereits ab 6 Jahren möglich! Mitmachen und gewinnen Aktionszeitraum 2018 vom 01. Mai bis 31. 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Was haben Sie gänzlich Neues über das Wesen der Deutschen herausgefunden? Wischmeyer: Ich habe im Wesentlichen etwas über mich selbst herausgefunden: Dass es sehr viel Spaß macht, sich komplett in die Gedankenwelt und den Rededuktus eines anderen Menschen hineinzudenken. In den USA ist das sogar Lehrfach, in Deutschland leider nicht. So, wie Sie die Szenen einer Ehe beschreiben, muss dieser Bund die Hölle sein. Eigene Erfahrungen? Zumindest in diesen kurzen Sequenzen ist sie die Hölle. Darin wird sich jeder, der eine Ehe vollzieht, wiedererkennen. Solche Momente gibt es überall. Wenn zwei Wesen in einer Zwangsgemeinschaft zusammenleben, dann müssen sie irgendwann aneinandergeraten, alles andere wäre furchtbar traurig. Der schlimmste Roman überhaupt wäre eine Geschichte über zwei Menschen, die sich sehr gut verstehen. Ihr aktuelles Werk trägt den Untertitel „Ein Nachruf auf unsere fetten Jahre“. Was macht Sie so sicher, dass wir uns in der Endphase eben dieser befinden? Das ist eine logische Folgerung: Es geht uns zu gut, das hat auch etwas Unheilverkündendes. Ich mache es gar nicht sachlich daran fest, dass wir der Vollbeschäftigung nahe sind und unser Gesundheitssystem besser funktioniert als in fast allen Ländern Europas und der Welt sowieso. Auf den Zenit kann eigentlich nur der Absturz folgen. Wenn es einem schlecht geht, hat man immer noch die Hoffnung, dass es einem besser gehen kann. Jetzt aber nicht. Ich kenne viele Akademiker-Elternpaare, deren Kindern es nicht besser geht als ihnen selbst. Das ist eine ganz neue Erfahrung. Nach dem Gefühl der meisten Leute sind die fetten Jahre vorbei. Muss man als Künstler nicht immer zuversichtlich in die Zukunft blicken, um etwas erschaffen zu können, an dem sich Menschen erfreuen können? Nein. Es gibt viel mehr Romane, Gedichte, Kunstwerke, Musikstücke, die voller Depressionen und Warnungen sind vor dem, was passiert. Außer Rosamunde Pilcher kenne ich kaum einen, der Zuversicht in irgendetwas hat. Zuversicht ist mittlerweile ein Zeichen des Schundromans. Haben Sie als Künstler ein Ziel, wollen Sie etwas Sinnvolles - den zivilisatorischen Fortschritt sozusagen? Nein, das wäre Hybris. Ich denke, dass viele Künstler tief im Innersten nicht wirklich glauben, dass sie mit ihrer Kunst etwas bewirken können. „To make the world a better place“ ist eine schöne Floskel, aber es gelingt den wenigsten. Wenn ich überhaupt etwas erreichen will - außer dass ich damit meinen Lebensunterhalt verdiene - dann will ich, dass die Leute über meine Texte nachdenken. Wenn sie über den Witz und das Lachen zu einer Erkenntnis über sich selbst fänden und sich eine Auszeit aus dem Wahnsinn nähmen, wäre schon viel erreicht. Ich könnte alle Themen meines Buches auch ernsthaft statistisch beschreiben, aber das will man nicht lesen. Gibt es ein Satiriker-Ethos, dem Sie sich verpflichtet fühlen? Das Satiriker-Ethos, das alle wie eine Monstranz vor sich hertragen, lautet: „Schlage nie einen Gedemütigten, dem es sowieso schon schlecht geht! Rege dich nur auf über die Mächtigen!“ Ich aber sage: alles Quatsch! Der Satiriker ist ein Hund, der alles anpisst, was ihm im Wege steht. Er ist ungerecht, gemein, verkürzt komplexe Sachverhalte für einen guten Witz. Kurzum auf den Punkt gebracht: Der Satiriker ist keine moralische Instanz. Seit den Anschlägen auf die französische Zeitschrift „Charlie Hebdo“ muss ein Satiriker das sein, was früher die Geistlichkeit war: eine Margot Käßmann, aber mit Witz. Das kann und will ich gar nicht leisten. Darf Satire unsachlich sein und muss sie weh tun? Die Frage stellt sich nicht, ob sie es soll oder ob sie es darf. Die Satire ist einfach so. Sie würde für einen guten Witz ihre eigene Großmutter fressen. Sobald sie anfängt, moralisierend zu werden, kippt sie ganz schnell über ins Moralinsaure. Man merkt die Absicht und ist verstimmt. Da schüttelt es mich. Der türkische Präsident Erdogan ist unlängst wegen Majestätsbeleidigung gegen den deutschen Satiriker Böhmermann vorgegangen. Geht heute in der Satire deutlicher weniger als früher? Das war eher eine skurrile Begebenheit, da ist ja kein Blut geflossen, das war alles in Ordnung. Jan Böhmermann hat einen miesen Beitrag geliefert um des Effektes willen, und der Vollidiot Erdogan ist darauf reingefallen. Es war ein Sturm im Wasserglas, kurioserweise mit Auswirkungen bis ins Kanzleramt. Aber man merkt schon, dass eine gewisse Ängstlichkeit besteht. Es gab ja den Vorwurf an Dieter Nuhr, dass er keine Islamwitze mache. Das ist Quatsch! Man kann einem Künstler nicht vorhalten, dass er bestimmte Themen oder bestimmten Gruppen der Menschheit nicht mit Satire bedenkt. Es gibt keine demokratische Satireverteilung. Aber man sollte vielleicht nicht mehr alles sagen und als großer Erdogan-Satiriker vielleicht auch nicht mehr in die Türkei reisen. Das hätte man sich vor fünf Jahren noch nicht vorstellen können. Der Trend zur allgemeinen Verprollung und Infantilisierung ist unübersehbar. Wie erklären Sie sich das? Erstens werden die Leute wirklich blöder. Das wird von allen Seiten in den Medien gefördert. Damit meine ich nicht nur das Unterschichtsfernsehen am Nachmittag, sondern auch seriöse Zeitungen. Ich ärgere mich jeden Tag über das, was ich in der von mir abonnierten Regionalzeitung lese und „Frage des Tages“ heißt. Dabei wird eine Zufallsgemeinschaft auf der Straße befragt, was sie meint zu komplexen Themen wie „Stickoxid in Diesel- Pkw“ oder „Ob Ex-Kanzler Schröder den Posten bei Rosneft antreten soll“. Meinungsumfragen stehen über Logik und Vernunft, womöglich richtet sich noch die Politik danach. Dadurch verblöden wir. „Der Traum vom vielen Geld“ Lesung im Märchenmuseum mit einem allzu menschlichen Thema BAD OEYNHAUSEN. Am Mittwoch 18. April, um 19.30 Uhr laden das Märchenmuseum Bad Oeynhausen, Am Kurpark 3 und sein Förderkreis im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mittwochs: Märchen!“ zu einer Lesung unter dem Motto „Der Traum vom vielen Geld“ ein. Der Traum vom reich sein begleitet die Menschen überall auf der Welt. Manchen gelingt das sogar durch große Willensanstrengung und viel Arbeit. Andere reden viel vom großen Geld und vom glücklich sein, verpassen darüber aber ganz ihre Chance. Die meisten aber träumen nur davon, plötzlich und ohne viel eigenen Einsatz durch das Geschenk einer Fee oder ähnliches zu großem Reichtum zu kommen. Doch meistens haben diese Geschenke einen Haken, der verhindert, dass aus dem Traum Wirklichkeit wird. Zahlreiche Sagen und Märchen erzählen von diesem Traum, häufig in heiterer Version. Die Museumsleiterin Dr. Hanna Dose wird ausgewählte Geschichten zum Thema vorlesen. Musterknabe. Brennt für‘s Gute. www.minden112.de Ausgabe verpasst? 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